Marburger Science Slam

Man stelle sich vor: Ein Physiker referiert über Quantenphysik, Lasertechnik und Teilchenbeschleunigung und 200 Menschen flippen komplett aus. Verkehrte Welt? Keineswegs! Es ist „Science Slam“ am Hessischen Landestheater Marburg. Hier wird auch dem Letzten klar: Diese Forscher entsprechen so gar nicht dem Klischee vom ,langweiligen Wissenschaftler im Elfenbeinturm’.
Am 27. Oktober 2010 wurde auf der Bühne des Hessischen Landestheaters vor knapp 200 begeisterten Zuschauern der erste „Marburger Science Slam“ aus der Taufe gehoben: ein Wissenschaftsjournalist erwärmte das Publikum für einen alten Schweden und dessen Temperaturmessungen; ein Informatiker versendete eine drahtlose Erläuterung zur W-LAN-Technologie; ein Musikwissenschaftler stimmte einen Lobgesang auf die Operette an; ein Mathematiker kreidete Politikern und Firmen-PR an, dass sie Daten und Zahlen schönen; ein Wissenschaftsredakteur erläuterte, warum Kandidatengene nichts mit Frank-Walter Steinmeier zu tun haben, und das Publikum kürte gleich zwei Kandidaten zum Sieger.
In den folgenden Runden des „Marburger Science Slam“ wurde weiter Wissenschaft präsentiert, wie Studenten sich eine Vorlesung wünschen: unterhaltsam, temporeich und mitreißend. Nachwuchswissenschaftler traten mit Wissenschaftlern, die gleichsam in der „Champions League“ von Forschung und Lehre spielen, in den Ring der Wissensschlacht: Da begeisterte Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher, der wohl bekannteste Mathematiker Deutschlands, das Publikum mit einem indischen Rechentrick nicht minder als der von der Hamburger Forschungsgruppe „Klimawandel und Sicherheit“ angereiste junge Geograph Janpeter Schilling mit seinen launigen Betrachtungen zur Klimawirksamkeit des Flugverkehrs, der gestandene Philosoph Franz Josef Wetz mit seinen Überlegungen „Treue ist ein Mangel an Gelegenheit. Über Sex und Lüge“ nicht minder als der junge Historiker Fabian Oberfahrenhorst, der in den „Tourismus im Mittelalter“ entführte. Die von Vize-Intendantin Dr. Christine Tretow als Conférencieuse in weißem Laborkittel mit strenger Hochsteckfrisur moderierte Wissensschlacht wird in der Spielzeit 2011/2012 in Kooperation mit der Philipps-Universität Marburg fortgeführt. Deswegen hier unser Aufruf an alle Nachwuchswissenschaftler: Präsentiert eure Abschlussarbeiten, Promotionsthemen oder andere Forschungsprojekte, egal, ob aus den Natur- oder Geisteswissenschaften, den Sozialwissenschaften oder aus der Medizin, ob als klassischer Vortrag, als Performance oder Pantomime – der Vorstellungskraft und dem Ideenreichtum der Vortragenden sind (fast) keine Grenzen gesetzt.
Kontakt und Anmeldung
Dr. Christine Tretow
Telefon: 06421. 99 02 33
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