Spielzeit 2016/2017 – Junges Theater

Aus der Zeit fallen

Heutzutage dreht sich das Rad der Zeit immer schneller – das merken vor allem unsere Kinder. Nicht nur, dass sie die Hektik und die Probleme des “Zeitmanagements” ihrer Eltern schon früh mitbekommen, auch ihnen selbst wird die Anforderung, vieles in kurzer Zeit zu schaffen, schnell bewusst. Aber! Zeit kann nicht knapp werden. Es stellt sich lediglich die Frage, wie man sie nutzt. Das Junge Theater Marburg möchte auch in der kommenden Spielzeit aus der Zeit fallen. Das heißt, sich die Zeit nehmen, für euch Geschichten zu erzählen. Seit jeher ist Theater ein Raum, wo der Rhythmus der Zeit spürbar wird. Momente dehnen sich oder fahren vorbei wie im Zeitraffer. Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft. Alles auf einmal und völlig durcheinander. Im Theater lassen sich Ereignisse wiederholen. Das beginnt schon damit, dass dort ein ums andere Mal eine Vorstellung gespielt wird. Wir holen sie uns wieder: die Zeit und mit ihr etwas, mit dem wir uns vielleicht länger beschäftigen wollen als es der Alltag zulässt. Da ist zum Beispiel der Abenteurer und Forscher Markus Michalik, der abseits der ausgetretenen Pfade eine Reise zum Mittelpunkt des Waldes wagt, um dort den dasgenumwobenen Reuber aufzuspüren. Da ist Kasimir, der schon als junger Mensch mit der Angst lebt, keine Zukunft zu haben und mir Arbeitslosigkeit und sozialer Kälte konfrontiert wird. Und da ist das Märchen von Ali Baba und den 40 Räubern, eine Geschichte aus “Tausendundeine Nacht”, die sich Menschen schon seit hunderten von Jahren erzählen. Im Theater wird mit der Zeit gespielt. Und neben dem Spaß dabei macht das Ganze sogar unbedingt Sinn, um die Dinge einmal anders betrachten zu können. Denn das Theater bietet uns Zeitreisen, um aus den vorgegebenen Bahnen auszusteigen und Zufälligkeiten aufzuspüren und dabei vielleicht auch das Wahrscheinliche zu umgehen. Keine Eile sondern Müßiggang, keine Hektik sondern Innehalten, so dass sich vielleicht etwas entfalten kann, das mehr ist als eine schnelle Antwort.

Bis neulich!

Annette Müller und Oda Zuschneid