Wir sind immer oben

Wir sind immer oben

16+

von Dirk Laucke (*1982)

Kapitalismus ist wie freie Liebe in Zeiten von HIV. Sätze wie diesen schreibt derzeit nur der 28-jährige Berliner Dirk Laucke. Schnodderig hingerotzt wirken sie und bohren sich doch tief in die Hirnrinde hinein. „Wir sind immer oben“ zeigt sich als würdiger Nachfolger für „alter ford escort dunkelblau“, mit dem Laucke es auf Anhieb zu den Mülheimer Theatertagen schaffte. Kämpfernaturen, die in ihrem eigenen Kleinscheiß stecken bleiben, so beschreibt der Autor seine Figuren: Sven und Stamm sind beste Freunde. Von der Hollywood-Schaukel des mütterlichen Kleingartens aus lassen sie ihren benebelten Blick über das Panorama der Plattenbauten schweifen. Mitten in der Tristesse müsste man was reißen. Dass solche wie sie sowieso nichts gebacken kriegen und auf Hartz IV hängen bleiben, davon wollen die Beiden nichts hören. Das ist nur eine Phase. So steht also ein neues Projekt ins Haus: ein Plattenladen in Muttis Laube. Rock ’n’ Roll. Das ist die Zukunft! Doch viele Steine liegen im Weg der Existenzgründer: die verschrobene Art von Svens Mutter Tine, ein Skinhead-Unfall in der Disko, die Querelen zwischen den geschiedenen Eltern. Und ein toter Nazi.

Corinna, die Neue von Sven, ist anfangs hingerissen vom morbiden Charme der Kleinstadtrocker. Aber wenn die Probleme sich häufen, die Mutter wutschnaubend den Laden kurz und klein hackt und die Hoffnungslosigkeit des Projekts sichtbar wird, lockt dann doch die große weite Welt. Lass uns abhauen, Sven! Aber Sven kann sein Plattenprojekt nicht einfach so im Stich lassen. Und muss sich schließlich dem Tod des Nazis stellen.

Regie führt die junge Berlinerin Alexandra Roscha Säidow. Sie realisiert schon seit einigen Jahren eigene Film- und Theaterprojekte, studiert an der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ Regie und ist Mitbegründerin des Labels „Freiflug“ für Theater-, Film- und Hörspielprojekte.


Eine zu einfache Sicht auf den menschlichen Antrieb?

Ansprache an die Versammlung der Konservativen Partei in Cardiff


von Margaret Thatcher (1979)

Wir dürfen niemals Zuflucht hinter kollektiven Entscheidungen suchen. Jeder einzelne von uns muss für sich selbst Verantwortung übernehmen. Das, was wir bekommen und das, was aus uns wird, hängt einzig und allein von uns selbst ab. Denn was genau treibt die Gesellschaft wirklich an? Es ist das Verlangen des Einzelnen, für sich und für seine Familie das Beste zu erreichen. Die Menschen arbeiten nicht für den Finanzminister, sie arbeiten für ihre Familie und ihre Kinder, um ihre Eltern besser versorgen zu können. Das ist es, wofür Menschen arbeiten, und es ist sehr… [Applaus].
Das ist genau der Weg, wie wir unsere Gesellschaft verbessern können, indem Millionen von Menschen sich entschließen, ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen, als sie es selber hatten.

Und für diesen grundlegenden menschlichen Antrieb gibt es keinen Ersatz. Das Schlimmste, was eine Regierung tun kann, ist der Versuch, diesen Antrieb mit irgendeiner kollektiven Alternative zu ersticken. Das wird nicht funktionieren, das kann nicht funktionieren. Das wird nur etwas zerstören, was in unserer Nation und im individuellen Geist des Einzelnen wertvoll und lebenswichtig ist. Die wahre Aufgabe der Regierung ist es, die natürlichen Stärken der Menschen freizusetzen, und das bedeutet: Einsatz und Talent zu belohnen. Es bedeutet, den Kräften, aus denen die menschliche Gemeinschaft besteht, die größtmögliche Freiheit zu geben. Herr Vorsitzender, wir sind hier dabei, eine der ältesten Lektionen der Geschichte wieder zu erlernen, und zwar: dass Freiheit nicht geteilt werden kann.

Welchen Nutzen haben die Redefreiheit und die Pressefreiheit in einer geschlossenen Gesellschaft? Welchen Wert haben Wahlen, wenn alle wichtigen Entscheidungen in unserem Leben für uns vom Staat getroffen werden? Und wenn der Wirtschaft die Freiheit verweigert wird, dann wird auch die politische Freiheit bald untergehen. Das ist der Grund dafür, dass diese Leute (= Sozialdemokraten) ständig versuchen, alles an sich zu reißen und dem Staat zuzuschustern, damit wir dann zu ihnen kommen müssen für alles, was wir brauchen, für unsere Häuser, unsere Arbeitsplätze. Sie nehmen uns das Geld weg durch Steuern, damit wir nichts für das Alter auf die Seite legen können, und selbst wenn wir das schaffen, treiben sie die Inflation so hoch, dass es nichts mehr wert ist. Das ist das Ziel der sozialistischen Gesellschaft, das Ziel, alles und alle abhängig vom Staat zu machen.


Premiere 30.10.2010

Regie

Roscha A. Säidow


Bühne

Paul Faltz


Kostüme

Paul Faltz


Musik

Bernhard Range


Dramaturgie

Mareike Götza



Besetzung

Franziska Knetsch, Stefan A. Piskorz, Christine Reinhardt, Daniel Sempf, Thomas Streibig


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