Conan der Barbar

Conan der Barbar

Eine Mixed-Media Performance von SKART

Man muss sich Conan als traurigen Menschen vorstellen,


sagt das Gießener Künstlerduo SKART über den schwertgewaltigen Helden aus Cimmeria. In ihrer Mixed-Media Performance verdichten sie Reminiszenzen an den 80er Jahre-Film von John Milius mit Videos, Soundscapes, Texten und Live-Musik zu einer heiter-bizarren Collage über das barbarische Alltagsleben des 21. Jahrhunderts.


Die Figur des Filmhelden Conan, herabgestiegen aus den verschneiten Wäldern des Nordens, ist für Mark Schröppel und Philipp Karau das Paradebild des isolierten, verunsicherten, vom kapitalistischen Winter glitzernd weiß bedeckten Individuums. In seiner Geschichte sind Überforderung, Größenwahn, Zwang, Eskapismus, Versagen und Hoffnung in ebenso wahnwitziger Weise angelegt, wie sie im real existierenden Alltag des (jungen) Durchschnittsdeutschen wiederzufinden sind. Der Film ist somit weit mehr als nur der trashige Referenzpunkt einer 80er Jahre-Nostalgie (vor der das jüngste Remake zwangsweise verblassen muss). Er wird zum bizarren Zerrspiegel der Welt, der wir allesamt entsprungen sind. Conan, der Entwurzelte, ist das schizophrene Gleichnis des Stücks. Er ist ein sinnlicher Einzelkämpfer, ein reflektierter Stumpfsinniger, ein strukturabhängiger Hedonist. Er ist so mitleidlos wie einfühlsam, er ist Opfer und Täter zugleich.
SKART verwenden die Handlungselemente der Conan-Filme durchaus als Blaupause für die abstrakte Rahmenhandlung ihres Stücks, doch in erster Linie dienen ihnen der Barbar und seine Abenteuer als Projektionsflächen ihrer ganz eigenen Zeitgeistanalyse. Conan wird so in den Händen von SKART zu einer Metapher, einem Abziehbild des westlichen Menschen. Seine Reise durch soziale, wirtschaftliche und psychologische Konstrukte wird zu einer intimen, gebrochen illusionären Revueshow, die den Betrachter auf seine ganz eigene Interpretationsweise zurückwirft. In Eigenregie entstandene Videos, Soundscapes, Texte, Bühnenbilder und Kostüme werden zu einer collagierten Masse verdichtet. O-Töne, selbstgebaute Instrumente und Maschinen werden zusammen mit live gespielter Musik bewusst einer ebenso kruden wie poetischen Handhabung unterzogen, die es sich zum Ziel setzt, die ästhetischen Wahrnehmungsgewohnheiten der Betrachter zu hinterfragen.

SKART
sind Philipp Karau (*1982) und Mark Schröppel (*1983), die zusammen Angewandte Theaterwissenschaft an der Universität Gießen studierten und sich dort 2006 zu „Schröppel Karau Art Repetition Technologies” zusammenschlossen. Beide arbeiten auch in anderen Kontexten als Performance- und Videokünstler bzw. als DJ. Ihre Arbeit „Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker” war 2012 u.a. in Mülheim an der Ruhr und am Thalia Theater Hamburg zu sehen.


Premiere 06.06.2013

Regie

Mark Schröppel, Philipp Karau




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