Die Ereignisse

Die Ereignisse

David Greig

Aus dem Englischen von Brigitte Auer

Entstanden als Reaktion auf das Massaker von Anders Breivik, nähert sich das 2013 uraufgeführte Stück des Schotten David Greig auf vielschichtige, sensible und irritierende Weise einem Thema an, das angesichts der steigenden Zahl fanatisierter, gewaltbereiter junger Männer von beängstigender Aktualität ist. Immer mehr Menschen haben gegenwärtig den Eindruck, unsere Welt sei aus dem Lot geraten. Die zahllosen Konflikte, Krisen und Kriege sowie die Prozesse der Globalisierung führen bei vielen zu einer tiefen Verunsicherung. Gewissheiten, Traditionen und alte Strukturen lösen sich auf. Es herrscht eine allgemeine Unübersichtlichkeit. Vor diesem Hintergrund handelt das Stück des schottischen Autors David Greig von Claire, die mit ihrem Projekt den Ängsten vor Überfremdung und Identitätsverlust entgegentreten will: ein multikulturell gemischter Chor als Ideal einer vielstimmigen Gesellschaft. Doch das Stück handelt auch von einem jungen Mann, der sich und seine Welt bedroht sieht durch die Zugezogenen. Er versteht sich als Stammeskrieger, der die Seinen beschützen muss vor den Eindringlingen. Als reinigende Flamme gegen Werteverfall, Dekadenz und Verweichlichung in der westlichen Welt. So nimmt er eine Waffe in die Hand und richtet ein Blutbad an. Claire gehört zu den wenigen Überlebenden. Fortan kreist sie mit ihrer ganzen Existenz nur noch um die eine Frage: Warum?
Auf anrührende Weise erzählt Greigs Stück davon, wie Claire mit dem traumatischen Ereignis ringt. Verloren in ihrer Trauer, hin- und hergerissen zwischen Rachephantasien, Momenten der Selbstzerstörung und dem Versuch, sich wieder mit der Welt zu versöhnen. Und es erzählt von dem jungen Mann. Dabei kommen neben dem Täter selbst auch sein Schulfreund, sein Vater, ein rechter Politiker, ein Psychologe und ein Journalist zu Wort. So treten eine Vielzahl möglicher Gründe für die Tat zutage, ohne dass die eine, erlösende Antwort gegeben würde. Am Ende steht ein Moment der Hoffnung: Der Chor kommt wieder zusammen und beginnt zu singen. Das Stück hält außerdem eine besondere Besetzungsvorgabe bereit – der auftretende Chor wird von einem Laienchor dargestellt, der jeweils aus der Region stammt, in der die Aufführung stattfindet.

Spielstätte: Black Box, Theater am Schwanhof


Premiere 12.09.2015

Regie

Lilli-Hannah Hoepner


Ausstattung

Iris Kraft


Dramaturgie

Eva Bormann, Franz Burkhard


Regieassistenz

Tabea Schattmaier



Besetzung

Insa Jebens, Roman Pertl, wechselnde Chöre aus Marburg und der Region


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