Kasimir und Karoline

Kasimir und Karoline

14+

von Ödön von Horváth

O’kotz isser, der Kasimir. Denn jüngst hat er seinen Job als Lastkraftwagenfahrer verloren. Seine Verlobte Karoline aber, mit der er sich auf dem Münchner Oktoberfest befindet, ist in Feierlaune und hat nichts für den Miesepeter übrig. Diese sich liebenden, dennoch momentan grundgegensätzlichen Gemüter fangen schnell an, sich aneinander zu reiben. Sie trennen sich (vorerst nur räumlich) auf dem Volksfest und geraten nicht in beste Gesellschaft. Die eine an Verehrer, die nichts unversucht lassen, sie zu verführen, der andere an Kleinkriminelle, die ihn auf die schiefe Bahn ziehen wollen. Karoline sucht Sicherheit bei den wohlhabenden Herrschaften Rauch und Speer. Während sie vermeintlich aufsteigt in der Gesellschaft, begibt Kasimir sich hinab in das Reich des Verbrechens. Er steht Schmiere bei einem Autodiebstahl und lernt dort Erna kennen.
Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise zeichnet Horváth ein Portrait jener, die unter dieser Lage am meisten leiden mussten, wie sie damit umgehen und wie man mit ihnen umgeht. Eine Anti- Liebesgeschichte zweier, die auseinanderdriften. Nicht jedem Paar der Weltliteratur ist ein Ende wie das von Romeo und Julia vergönnt. Manchmal scheint es leichter zu sterben, als den Abend unbeschadet zu überleben. Ökonomische Sicherheit steht in diesen Zeiten weit über der bedingungslosen Liebe.

Dieses Stück von denen da oben und uns hier unten platziert Horváth auf einem Volksfest, wo es sonst keine Standesdünkel zu geben scheint; Firmeninhaber, Richter und Kleinkriminelle feiern an einer Bierbank und vereinen sich im Brathändl-Boykott. Das 1932 in Leipzig uraufgeführte Stück zeigt, wie bestialisch mitleidlos der Mensch mit dem Menschen umspringt, und warnt vor dem aufkommenden Nationalsozialismus. Anlass für die Neuinszenierung, die Gegenwart zu befragen: Wie geht das zusammen? Privates Glück und wirtschaftliche Abhängigkeit? Die Suche nach unbedingter Liebe und die komplizierte, globalisierte, medialisierte Welt? Und: Wer zeichnet heutzutage die einfachen Weltbilder? Tragisch-ironisch: Bereits ein Jahr nach der Uraufführung wird Horváth auf allen deutschen Bühnen verboten.

Spielstätte: Black Box – Theater am Schwanhof


Premiere 04.03.2017

Regie

Annette Müller


Bühne

Oliver Kostecka


Dramaturgie

Franz Burkhard



Besetzung

Camil Morariu, Insa Jebens, Karlheinz Schmitt, Lene Dax, Maximilian Heckmann, Michael Köckritz (a.G.), Victoria Schmidt


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