Libussa / Riot, don't diet! (UA)

Ein emanzipatives Abenteuer zwischen Macht, Sex und Revolution

nach Motiven von Franz Grillparzer, Laurie Penny und vielen weiteren

Der österreichische Dichter Franz Grillparzer beschreibt in seinem 1848 verfassten Drama »Libussa« die Geschichte der Zivilisation als Unterwerfungsgeschichte der Frau unter den Mann.

Dafür bedient er sich beim böhmischen Mythos über die Gründung der Stadt Prag: Libussa, die jüngste der drei Töchter des Königs Krokus, begegnet auf der Suche nach heilenden Kräutern für ihren kranken Vater dem Pflüger Primislaus. Die beiden verlieben sich ineinander und Libussa überlässt Primislaus einen Teil ihrer magischen Kette. Nach dem Tod ihres Vaters übernimmt sie die Herrschaft über ihr noch nicht sesshaftes, unzivilisiertes Volk. Dieses fordert bald schon einen starken Mann an Libussas Seite. Für die Königin kommt nur der Mann in Frage, der den fehlenden Teil ihrer Kette besitzt: Primislaus. Schließlich finden die beiden zueinander. Doch die Urgesellschaft, in der Weisheit, Vertrauen und Gleichheit herrschen, zerfällt durch Primislaus’ Politik. Er möchte Städte und Institutionen errichten, Umsicht und Nächstenliebe durch Macht und Justiz ablösen. Libussa warnt kurz vor ihrem Tod: Nicht Ganze mehr, nur Teile wollt ihr sein, von einem Ganzen, das sich nennt die Stadt, der Staat, der jedes einzelne in sich verschlingt, statt Gut und Böse, Nutzen wägt und Vorteil und euern Wert abschätzt nach seinem Preis.

Kapitalismus und Ausbeutung wie Unterdrückung von Frauen sind für Laurie Penny, Bloggerin und junge Stimme des internationalen Feminismus, untrennbar miteinander verbunden. Frauen reiben sich immer noch auf an der Tyrannei von Schönheitsidealen, Körperkontrolle und Stigmatisierung. Gleichzeitig verrichten sie weiterhin den allergrößten Teil an unbezahlter (Reproduktions- und Haus-) Arbeit und stabilisieren dadurch ein System, das auf Unterdrückung aufgebaut ist: Wenn alle Frauen dieser Erde morgen früh aufwachten und sich in ihren Körpern wirklich wohl und kraftvoll fühlten, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammenbrechen. Im Zeitalter des Neoliberalismus sind die Zusammenhänge verschleiert, Selbstbilder von Autonomie und Individualität sabotieren ein grundsätzliches Hinterfragen. In der Inszenierung von Fanny Brunner erkunden wir das Verhältnis von Geschlechterverhältnissen und Ökonomie. Anschließend an Laurie Penny fragen wir: Muss die Revolution weiblich sein?


Premiere 02.09.2017

nächste Termine
02.09.2017, 19.30 Uhr
08.09.2017, 19.30 Uhr, Karten
12.09.2017, 19.30 Uhr, Karten

Regie

Fanny Brunner


Ausstattung

Daniel Angermayr


Musik

Jan Preißler


Dramaturgie

Matthias Döpke



Besetzung

Annette Müller, Johannes Karl (a.G.), Lene Dax, Maximilian Heckmann, Oda Zuschneid, Victoria Schmidt


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