Der Auftrag

Der Auftrag

Erinnerung an eine Revolution

von Heiner Müller

Während der Französischen Revolution erhält der Arzt Debuisson vom Konvent den Auftrag, einen Sklavenaufstand auf Jamaika vorzubereiten. Galloudec, ein bretonischer Bauer, und Sasportas, ein der Sklaverei entflohener Schwarzer, begleiten ihn. Sie tarnen sich und legen die Masken der Vergangenheit an, geben vor, Sklavenhalter, Aufseher und Sklave zu sein. Dann wird klar, dass mit dem Aufstieg Napoleons die Revolution in Frankreich faktisch gescheitert ist. Für Debuisson ist damit der Auftrag aufgehoben. Die beiden anderen beharren auf der Befreiung der Ausgebeuteten: Solange es Herren und Sklaven gibt, sind wir aus unserem Auftrag nicht entlassen. Aber Debuisson will sein Stück vom Kuchen der Welt und verrät die Revolutionäre. Sasportas wird hingerichtet.
Der Mittelteil des Stückes erzählt vom “Mann im Fahrstuhl”, der nicht rechtzeitig nach oben gelangen kann, zur “Nummer Eins”, um von selbigem einen Auftrag zu erhalten. Die Zeit selbst ist aus den Fugen, spielt verrückt und die Stockwerke dehnen sich ins Unendliche, bis er sich plötzlich in Peru auf einer Dorfstraße wiederfindet. Der Himmel wird zum Abgrund von morgen.
Mit dieser Parabel auf eine verloren gegangene Revolution will Müller nicht sehnsüchtig auf eine menschlichere Zukunft hoffen, sondern mit der unmenschlichen Vergangenheit abrechnen. Sie zeigt seinen tiefgreifenden Desillusionierungsprozess, den er in seinem Verhältnis zur Geschichte durchgemacht hat. Verweltlichte Heilsgeschichte, verkündet im ideologischen Evangelium, findet nicht statt: der Verrat eine Abkehr von Gott. Und zugleich ist dieses Rätselstück voller Verweise auf die Geschichte und birgt den Auftrag, sich Gedanken zu machen, wie denn eine gerechte Weltordnung und das Ende von Ausbeutung und menschlichem Leid zu erreichen wären.


Premiere 04.11.2017

nächste Termine
21.11.2017, 19.30 Uhr, Karten
20.12.2017, 19.30 Uhr, Karten

Regie

Oda Zuschneid


Ausstattung

Daniel Angermayr


Musik

Jan Preißler


Dramaturgie

Franz Burkhard



Besetzung

Jan Preißler (a.G.), Oda Zuschneid, Sebastian Muskalla (a.G.), Tibor Muth (a.G.)


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