Dantons Tod
16+von Georg Büchner (1813–1837)
Soll nicht eine Idee nicht ebenso gut wie ein Gesetz der Physik vernichten dürfen, was sich ihr widersetzt? (St. Just)
Das Leiden unter der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit und die Lust am privaten Lebensgenuss, der Wunsch nach Weltveränderung und das Erkennen der eigenen Handlungsunfähigkeit stehen sich unvereinbar gegenüber. Zeitunabhängig bleiben die Fragen: Wie viel Freiheit erlaubt das allgemeine Glück? Wie viel Gewalt fordert die Gerechtigkeit? Wie lässt sich die entfesselte Bestie des Terrors wieder einfangen? Fünf Jahre sind vergangen seit dem Sturm auf die Bastille. George Danton und Maximilien de Robespierre, einst Brüder im Geiste und Väter der Französischen Revolution, sind zu Erzfeinden geworden. Robespierre gibt dem revolutionären Sieg ohne blutigen Terror keine Chance. Danton fordert Menschlichkeit statt Strafe, Wohlergehen statt Tugend. Er verabscheut die Gewalt. Sein Verhältnis zur Revolution, zur Welt hat sich verändert. Nicht länger will er, wie Robespierre, die eigenen Interessen dem Kampf opfern. Er will genießen. Er, der das Leben bejaht, setzt es damit aufs Spiel. Die Widersacher werden über die Gegensätzlichkeit ihrer Haltungen definiert: Robespierre, der Fundamentalist, Danton, der Humanist. Die Sympathie gilt meist dem letzteren. Und doch ist es Danton, der aus einem tiefen fatalistischen Empfinden des Überdrusses seine Ideale preisgibt, der aus Frustration über die menschliche Natur aufhört zu kämpfen.
Veit Kassels Inszenierung im Fürstensaal des Marburger Landgrafenschlosses erforscht die Figuren des Dramas als Mitglieder einer politischen Kaste, isoliert in der Zentrale der Macht und unfähig, etwas anderes als die Guillotine zum Medium der politischen Auseinandersetzung zu machen, die sich in einer Atmosphäre allgegenwärtiger Bedrohung entfaltet. Im Fokus stehen Demagogie und Intrigen: Mechanismen des Machterhalts und Versuch der Verwirklichung revolutionärer Ideale zugleich. Wo liegen die Schnittmngen im politischen Taktieren? Wie ist es zwischen Ausschüssen, Parteien und individueller Machtgier um die Umsetzbarkeit gesellschaftlicher Ideale eines egalitären Zusammenlebens bestellt?
Am 19. Februar 2012 jährt sich Georg Büchners Todestag zum 175. Mal; der 17. Oktober 2013 ist sein zweihundertster Geburtstag. Das Land Hessen nimmt dieses doppelte Jubiläum zum Anlass, den Landessohn mit einer großen Wanderausstellung und einer wahren Flut von Projekten, Lesungen, Führungen und Seminaren in ganz Hessen zu ehren. Das Hessische Landestheater nimmt am Programm der Jubiläumsjahre mit seiner Produktion von “Dantons Tod” teil.
Premiere 23.09.2011
RegieVideo
Marco Russo
Bühne
Kostüme
Musik
Maciej Medrala
Dramaturgie
Regieassistenz
Chris Herzog
Besetzung
Ogün Derendeli, Alexander Garms (a.G.), Michael Golab (a.G.), Angel Krastev (a.G.), Martin Maecker, Jonas Schlagowsky (a.G.), Silvan Busse (Statisterie), Henrik Diels (Statisterie), Lotta Schuchhardt (Statisterie), Emma Weiler (Statisterie)