Wilde Schwäne

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Marburg liest Proust

Der Roman von Marcel Proust ist ein Ringen um die Erinnerung. Die Erinnerung an Orte, Eindrücke, Geliebte, aber auch, und vielleicht vor allem, um die Erinnerung an sich selbst. Ein Versuch, das eigene Ich sichtbar zu machen in der gesamten bisher gelebten Zeit und es im Geschriebenen zu erhalten. Die “Suche nach der verlorenen Zeit” ist das Begehren danach, das gelebte Leben lebendig zu halten über den Tod hinaus. So endet der Roman auch damit, dass er geschrieben wird.

Helfen Sie uns bei der “Suche”!
Lesen Sie mit uns den ganzen Roman. Alle sieben Bände. Alle 4195 Seiten.
Jeden Montagabend zwischen 18.00 und 22.00 Uhr im Panoramasaal im Erwin-Piscator-Haus.
Sie können zu den Lesungen kommen und gehen wann Sie wollen. Der Eintritt ist frei.

Sie können sich beteiligen! Denn allein werden wir es nicht schaffen. Deswegen suchen wir Vorleser. Wenn Sie etwas Erfahrung mit dem Vorlesen haben, dann melden Sie sich einfach unter proust@theater-marburg.de

Ort: Panoramasaal im Erwin-Piscator-Haus
Zeit: montags, 18.00-22.00 Uhr


Die Marquise von O…

nach der Erzählung von Heinrich von Kleist
von und mit Julia Glasewald

Ein reines Bewusstsein, und eine Hebamme!, ruft die Mutter der Marquise aus. Diese hatte ihr versichert, dass sie nichts von einem Manne weiß, der sich ihr genähert.
Mit einer unerhörten Begebenheit beginnt die Erzählung. Die Marquise von O. sucht per Zeitungsinserat nach dem Vater ihres noch ungeborenen Kindes. Sie weiß nichts vom Beischlaf, kann nicht enträtseln, welcher Moment zu solch schlimmer Tat sich geeignet hätte. Der Heilige Geist kommt nicht infrage, die Jungfrau Maria gibt es nur einmal. Vor fünf Monaten wurde sie von einem »Engel« aus einer belagerten und bereits brennenden Festung gerettet, furchtlos hatte er sie aus den Händen von fünf Mordbuben befreit. Danach war sie in eine Ohnmacht gesunken, und der »Engel« hatte die Gunst der Stunde genutzt und sie vergewaltigt.
Der vielleicht berühmteste Gedankenstrich der Literatur markiert die Stelle, an der die Vergewaltigung vollzogen wird. Julia Glasewald untersucht diese Stelle in ihrem Monolog. Eine Auseinandersetzung mit einem Geschehen, das nicht erinnert werden kann, dessen Folge, die Schwangerschaft, aber im Bewusstsein Rechtfertigung sucht.


David Bowie. The Return of Ziggy Stardust

von und mit Artur Molin

My brain hurt like a warehouse, it had no room to spare / I had to cram so many things to store everything in there.
Kaum ein Popmusiker wurde so zur Ikone verklärt wie der immens wandelbare und einflussreiche David Bowie. Er hat Entwicklungen angestoßen und neue Genres begründet, hat mit Lou Reed, Bing Crosby, Freddie Mercury, Mick Jagger, Tina Turner und den Pet Shop Boys musiziert und für diese Künstler Songs geschrieben. “Bowie erfand, als derlei noch ein künstlerisches Risiko war, seine Kunstfigur Ziggy Stardust – ein Wesen, welches nicht nur von einem anderen Stern auf die Erde kam, sondern auch ziemlich frei zwischen den Geschlechtern zu reisen imstande war”, schreibt Peter Kümmel in seinem Nachruf. Ziggy Stardust kehrt zurück und reist durch Raum und Zeit, in die äußere und innere Unendlichkeit.

Nach Freddie Mercury widmet sich Artur Molin nun David Bowie, angeregt durch dessen bekanntestes Konzeptalbum.


Amy – Love is a Losing Game

von und mit Franziska Knetsch

You Know I’m No Good hieß ein autobiografischer Hit auf ihrem Album »Back to Black«, das 2006 die Charts stürmte. Es regnete Preise und Kritikerlob, das Album verkaufte sich millionenfach. Bereits 2003 hatten »Frank« und Amys eigenwilliger Kleidungs- stil für Aufsehen gesorgt: frech modern ihre Tattoos, retro die Beehive-Frisur. Verletzlich und zart, zutiefst melancholisch auf schlaksigen Gliedern, ließ sie den Soul der 60er neu erstehen, mit einer einzigartigen Stimme und mit Texten, die dem Pop eine verlorengeglaubte Ernsthaftigkeit zurückgaben. Mit 27 starb sie im selben Alter wie die anderen Heroen; sie hat es nicht geschafft, der multiplen Drogensucht zu entkommen und konnte den Boulevardmedien nichts mehr entgegensetzen, die mit kleinbürgerlich-gierigem Vorwurf sich auf die Sängerin stürzten: so talentiert und so kaputt. They tried to make me go to Rehab and I said no, no, no, heißt eine Zeile, die so unendlich traurig klingt nach ihrem jähen Tod.

Franziska Knetsch nähert sich dieser großen Sängerin und ihren radikal ehrlichen Texten, erzählt von der Entwicklung einer frechen, schlagfertigen jungen Frau zu einer verfolgten Kunstfigur.


Play the Game – A Tribute to Freddie Mercury

von und mit Artur Molin

Let’s all take a trip on my ecstasy, I’m Mr. Bad Guy, sang Freddie Mercury, der zum Entsetzen einer ganzen Generation vor bald 24 Jahren starb. Und viele vermissen schmerzlich seine Bühnenpräsenz und seine leidenschaftliche, stimmliche Kraft, den halben Mikrofonständer und seine fantastischen Kostüme, von der Unterhose (getragen zum bunten Schlips) bis zum Hermelinmantel plus Königinnenkrone: ein Meister der Inszenierung, ein Verführungskünstler, neben Michael Jackson der Superstar überhaupt. Privat war dieser vor Kraft geradezu explodierende Künstler unsicher und schüchtern, verzehrte sich nach unbändiger Liebe.
Artur Molin feiert diesen Rockstar in einer intimen Huldigung, erzählt vom Bühnenkünstler Mercury und vom privaten Freddie, seinen Sehnsüchten, seinen Exzessen, seiner Suche nach Normalität und Geborgenheit. Diese Magie einer empfindsamen Seele, die alle Höhen und Tiefen umspannt, zeigt sich in seinen großen Songs, und hier in »Play the Game« in einer sehr persönlichen Interpretation durch Artur Molin und Michael Lohmann.


Fremde Texte

Interaktives Theaterprojekt von Jonas Schneider

Sage ich, was ich will? Natürlich. Keiner zwingt mich zu irgendwas. Ich darf meine Meinung frei äußern. Nun gut, es muss schon Sinn machen, was ich da rede. Man kann nicht einfach sagen, was einem gerade in den Kopf kommt. Und manche Dinge kann man natürlich nicht sagen, weil man sonst komisch angeguckt wird oder sich das Geschrei der Politischkorrekten anhören muss. Am besten man orientiert sich an den anderen und sagt nur Sätze, die man schon irgendwo gehört hat. Die sind dann vielleicht etwas fremd, aber man gewöhnt sich.

Ca. 60 min. Keine Regie, kein Schauspiel. ZuschauerInnen werden zu PerformernInnen und lesen den Text. Niemand ist gezwungen zu lesen.


Brief an den Vater

nach Franz Kafka
von Jonas Schneider, Oda Zuschneid, Twyla Zuschneid

Leugne ich denn, daß Du mich lieb hast? Mein Schreiben handelt von Dir, ich klagte dort ja nur, was ich an deiner Brust nicht klagen konnte, schreibt Franz Kafka mit 36 Jahren an den Vater; er wird diesen Brief nie abschicken, aber redet sich doch alles von der Seele, was sein unsicheres, zweifelvolles Leben so beschwert und behindert. So übermächtig scheint ihm der Vater und so hoffnungslos kraftlos, zart, schmal und unbegabt das eigene Ich. Und: der private, psychoanalytisch hochinteressante Brief ist zugleich große Literatur. Ich bin das Ergebnis Deiner Erziehung und meiner Folgsamkeit.
Eine performative Annäherung an ein überaus kompliziertes Vater-Sohn-Verhältnis: Was bei Dir folgenlos bleibt, kann mein Sargdeckel sein.


Wilde Schwäne unterwegs

Unsere Wilden Schwäne fliegen natürlich auch regelmäßig aus! Die aktuellen Termine erfahren Sie dann hier!